Geschichte

Das Theater im Bauturm - Freies Schauspiel Köln, auf der Aachener Straße, in der Nähe des Rudolfplatzes mitten im lebendigen Belgischen Viertel gelegen, gehört zu Kölns wandlungsfähigsten und innovationsfreudigsten Theatern der „freien Szene”.

1983 von einer Gruppe wagemutiger Schauspieler_innen, Regisseure_innen und Dramaturg_innen im Gebäude der Architektengruppe „Bauturm” als gemeinnütziger Verein gegründet, entwickelte sich das Theater ganz im Sinne seiner Erfinder recht schnell zum kreativen Haus für ambitionierte Gegenwartsdramatik.

Zu Beginn kollektiv geführt, wurde Axel Siefer im Jahre 1986 zum ersten Leiter des prosperierenden Theaters ernannt. Seit 1986 gewährt die Stadt Köln dem Theater (damals mit 99 Plätzen) jährliche Betriebskostenzuschüsse. 1987 gründete sich der Verein der Freunde und Förderer für das Theater im Bauturm, dem derzeit ca. 210 Mitglieder angehören.

Nach dem Rückzug von Siefer leitete Thomas Wenzel das Haus von 1991 bis 1995. Unter seiner Leitung versuchte der Trägerverein vorübergehend, ein festes Ensemble zu unterhalten, was allerdings nicht dauerhaft finanzierbar war. Diese Bemühungen wurden von der SK Stiftung Kultur mit dem Kölner Theaterpreis 1991 belohnt. 1993 wurde der Zuschauerraum auf 135 Plätze vergrößert.

Seit 1995 leitet der Schauspieler Gerhardt Haag das Haus. In dieser Zeit bis heute hat das Theater im Bauturm mit herausragenden Schauspieler_innen der freien Szene und durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Haus verbundenen und seit 2004 für mehrere Spielzeiten verpflichteten Regisseur_innen seine Position einer starken künstlerischen Kraft im Kölner Theaterleben ausgebaut und gefestigt. Aus dieser Kraft heraus wurden immer wieder Theaterabende gestaltet, die das Publikum ästhetisch und gesellschaftspolitisch herausforderten und begeisterten. Zu den besonderen Highlights gehören hier sicherlich die Produktionen „KUNST” von Yasmina Reza, Top Dogs von Urs Widmer und Enigma von Eric-Emmanuel Schmitt, wobei erstere mit bald 500 Vorstellungen und dem Theaterleiter Gerhardt Haag in der Rolle des Kunstliebhabers Serge nach wie vor überaus erfolgreich im Programm ist!

Der Spielplan ist mit Ur- und Erstaufführungen geprägt von zeitgenössischer Theaterliteratur zu relevanten Themen sowie sensiblen zeitgemäßen Bearbeitungen der klassischen Dramatik und klassischen Moderne. In den letzten Spielzeiten haben ästhetisch experimentelle Inszenierungen einen größeren Raum im Spielplan eingenommen und stehen gleichberechtigt neben Inszenierungen wie dem Dauerbrenner Der Kontrabaß, der bereits seit über 31 Jahren mit inzwischen weit über 1000 Vorstellungen läuft.

Kern des Profils des Theaters ist es, immer wieder neue, aufregende ästhetische Handschriften zu präsentieren, immer wieder mit neuen Künstler_innen den Kreis der hier Arbeitenden zu mischen und zu erweitern, um auch so zu einem besseren gesellschaftlichen Miteinander beizutragen.
Besonders junge Zuschauer_innen in den Bauturm zu locken, haben wir uns seit längerem schon zum Ziel gesetzt. Mit Projekten wie dem „Azubi-Patenticket”, mit verschiedenen Schulkooperationen (eine jahrelange Verbundenheit und Partnerschaft pflegen wir zum Georg-Büchner-Gymnasium und zum Berufskolleg an der Lindenstraße) sowie diversen Sonderveranstaltungen gelingt uns das immer besser. Seit Anfang 2010 bereichern auch die Theaterschwärmer, die junge Abteilung des Fördervereins, mit eigenen Programmpunkten das Geschehen des Theaters. Eine Kooperation gibt es mit der renommierten Kölner ARTURO-Schauspielschule, deren Schüler_innen auf vielfältige Weise ins Theaterleben einbezogen werden.

2010 begann die Zusammenarbeit zunächst mit Theaterschaffenden aus Burkina Faso. Daraus ist das auf längere Sicht angelegte und vorerst bis 2015 von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Projekt africologneFESTIVAL entstanden. africologne präsentiert afrikanisches Theater, Tanz und Performance in Köln, koproduziert mit internationalen Partnern (u.a. dem Festival Récréâtrales, Burkina Faso oder mit dem Tarmac des auteurs in Kinshasa/DRKongo), und bildet eine Plattform für Netzwerke und interkulturellen Austausch. 2012 entstand die erste Koproduktion mit der Compagnie Falinga und dem Festival Récréâtrales aus Ouagadougou, die beim zweiten africologne-Festival im Juni 2013 auch in Köln zu sehen war: Ombres d’espoir – Schatten der Hoffnung. 2014 beschäftigten wir uns mit dem Thema Coltan-Rohstoff, woraus zwei internationale Koproduktionen entstanden sind: Coltan-Fieber und Musika. Beide Stücke konnten wir im Dezember 2014 in den beiden Kongo-Republiken (Kinshasa und Brazzaville) zeigen und im Juni 2015 beim dritten africologneFESTIVAL in Köln. Die künstlerische Leitung des biennal ausgerichteten Festivals (2011/2013/2015), das auch überregional und international Aufmerksamkeit erregt, liegt bei Theaterleiter Gerhardt Haag; unterstützt wird er durch die Bauturm-Dramaturgin/Kuratorin Kerstin Ortmeier, die auch die africologne-Projektleitung innehat.

Neben zahlreichen Nominierungen hat der Bauturm in den Jahren 1991 (für die Gesamtleistung), 1996 (mit „KUNST” von Yasmina Reza, Inszenierung Heinrich Cuipers, Gerhardt Haag, Axel Siefer), 2004 (mit Nora von Henrik Ibsen, Inszenierung Axel Siefer), 2007 (mit Der Kick von Andres Veiel und Gesine Schmidt, Inszenierung Harald Demmer) und 2011 (mit Faust. Der Tragödie erster Teil von J.W. v. Goethe, Inszenierung Jörg Fürst) den Kölner Theaterpreis erspielt.

Das Theater im Bauturm ist Gründungsmitglied der „plattform kölner theater”, eines Zusammenschlusses der renommiertesten freien Theater Kölns, sowie des Verbands „off-cologne”, in dem wir mit anderen Theatern sowie Filmkunst-Kinos und Musikveranstaltern branchenübergreifend zusammenarbeiten und das Online-Ticketportal „offticket” betreiben. Ebenso engagiert sich das Theater im Kulturarbeitskreis von „city-marketing” in Köln. Auf Landesebene arbeiten wir mit im „NRW Verband Freie Darstellende Künste e.V.”, der u. a. die Festivals „favoriten” (früher „Theaterzwang”) und „off-limits” veranstaltet.

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