Geschichte

Kaum ein Straßenzug Kölns hat sich im vergangenen Jahrzehnt so verändert wie die Aachener Straße. Zu den wenigen Konstanten im Viertel gehört das Theater im Bauturm, das seit über drei Jahrzehnten gleich gegenüber von Kölns traditionsreichstem Theaterhaus, dem Volkstheater Millowitsch, modernes Sprechtheater mit politischem Anspruch auf die Bühne bringt.

1983 von einer Gruppe wagemutiger Schauspieler_innen, Regisseure_innen und Dramaturg_innen im Gebäude der Architektengruppe „Bauturm” als gemeinnütziger Verein gegründet, entwickelte sich das Theater ganz im Sinne seiner Erfinder recht schnell zum kreativen Haus für ambitionierte Gegenwartsdramatik.

Zu Beginn kollektiv geführt, wurde Axel Siefer im Jahre 1986 zum ersten Leiter des Theaters ernannt. Seit 1986 gewährt die Stadt Köln dem Theater (damals mit 99 Plätzen) jährliche Betriebskostenzuschüsse. 1987 gründete sich der Verein der Freunde und Förderer für das Theater im Bauturm, dem derzeit ca. 210 Mitglieder angehören.

Nach dem Rückzug von Siefer leitete Thomas Wenzel das Haus von 1991 bis 1995. Unter seiner Leitung versuchte der Trägerverein vorübergehend, ein festes Ensemble zu unterhalten, was allerdings nicht dauerhaft finanzierbar war. Diese Bemühungen wurden von der SK Stiftung Kultur mit dem Kölner Theaterpreis 1991 belohnt. 1993 wurde der Zuschauerraum auf 135 Plätze vergrößert.

Von 1995 bis 2016 leitete der Schauspieler Gerhardt Haag das Haus. In dieser Zeit  hat das Theater im Bauturm mit herausragenden Schauspieler_innen der freien Szene und durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Haus verbundenen Regisseur_innen seine Position einer starken künstlerischen Kraft im Kölner Theaterleben ausgebaut und gefestigt. Aus dieser Kraft heraus wurden immer wieder Theaterabende gestaltet, die das Publikum ästhetisch und gesellschaftspolitisch herausforderten und begeisterten. Besondere Höhepunkte waren die Produktionen „KUNST” von Yasmina Reza, Top Dogs von Urs Widmer und Enigma von Eric-Emmanuel Schmitt, wobei erstere mit bald 500 Vorstellungen und dem Theaterleiter Gerhardt Haag in der Rolle des Kunstliebhabers Serge nach wie vor überaus erfolgreich Spielplan vertreten ist. Der größte Dauerbrenner des Spielplans, Patrick Süßkinds Kontrabass mit Axel Siefer, war im Sommer 2016 nach 32 Jahren zum letzten mal im Bauturm zu sehen.

Seit 2016 wird das Theater von Laurenz Leky (Theaterleitung), Bernd Schlenkrich (Geschäftsführung) und René Michaelsen (Dramaturgie) geleitet. Seitdem liegt der Fokus vornehmlich auf Stückentwicklungen und Romanbearbeitungen, wobei die Konstruktion einer alternativen Geschichte Kölns und die Generierung von Aufmerksamkeit für globale politische Zusammenhänge besondere Schwerpunkte des Spielplans darstellen. Ergänzt wird das Programm durch Debatten, humoristische Formate und Gastspiele aus dem Bereich des Musiktheaters.  

2010 begann die Zusammenarbeit zunächst mit Theaterschaffenden aus Burkina Faso, aus der später das im Zweijahresturnus stattfindende Festival africologne entstand. africologne präsentiert afrikanisches Theater, Tanz und Performance in Köln, koproduziert mit internationalen Partnern (u.a. dem Festival Récréâtrales, Burkina Faso oder mit dem Tarmac des auteurs in Kinshasa/DRKongo), und bildet eine Plattform für Netzwerke und interkulturellen Austausch. 2012 entstand die erste Koproduktion mit der Compagnie Falinga und dem Festival Récréâtrales aus Ouagadougou, die beim zweiten africologne-Festival im Juni 2013 auch in Köln zu sehen war: Ombres d’espoir – Schatten der Hoffnung. 2014 beschäftigten wir uns mit dem Thema Coltan-Rohstoff, woraus zwei internationale Koproduktionen entstanden sind: Coltan-Fieber und Musika. Beide Stücke konnten wir im Dezember 2014 in den beiden Kongo-Republiken (Kinshasa und Brazzaville) zeigen und im Juni 2015 beim dritten africologneFESTIVAL in Köln. Die künstlerische Leitung des Festivals liegt in den Händen des ehemaligen Theaterleiters Gerhardt Haag; unterstützt wird er durch die Dramaturgin und Kuratorin Kerstin Ortmeier, die auch die africologne-Projektleitung innehat.

Neben zahlreichen Nominierungen hat der Bauturm in den Jahren 1991 (für die Gesamtleistung), 1996 (mit „KUNST” von Yasmina Reza, Inszenierung Heinrich Cuipers, Gerhardt Haag, Axel Siefer), 2004 (mit Nora von Henrik Ibsen, Inszenierung Axel Siefer), 2007 (mit Der Kick von Andres Veiel und Gesine Schmidt, Inszenierung Harald Demmer) 2011 (mit Faust. Der Tragödie erster Teil von J.W. v. Goethe, Inszenierung Jörg Fürst) und 2016 (mit Rüdiger Papes Inszenierung von Wajdi Mouawads Verbrennungen. Die Frau die singt) den Kölner Theaterpreis erspielt.

Das Theater im Bauturm ist Gründungsmitglied der „plattform kölner theater”, eines Zusammenschlusses der renommiertesten freien Theater Kölns, sowie des Verbands „off-cologne”, in dem wir mit anderen Theatern sowie Filmkunst-Kinos und Musikveranstaltern branchenübergreifend zusammenarbeiten und das Online-Ticketportal „offticket” betreiben. Auf Landesebene ist das Theater als Mitglied im  „NRW Verband Freie Darstellende Künste e.V.” aktiv.