Daniel Cremer

Daniel Cremer (*1983, Mönchengladbach, Westdeutschland) arbeitet als Performancekünstler, Regisseur und Autor. Als Regisseur inszenierte er Opern, gestaltete kollektiv erdachte Theaterstücke mit und initiierte partizipatorische Projekte, unter anderem am HAU Berlin, Schauspiel Köln, Theater Heidelberg, Düsseldorfer Schauspielhaus. Nachdem er zwischen 2010 und 2014 eine Serie performativer Simulationen unter dem Label TALKING STRAIGHT herausbrachte, wurde er eines der Gründungsmitglieder der gleichnamigen Theatergruppe, mit der er bis Ende 2016 arbeitete. Deren Spezialgebiet waren immersive Simulationen als Katastrophenschutz-Übungen für das Überleben in der täglichen Katastrophe von Rassismus, Sexismus und Klassenherrschaft. Mit TALKING STRAIGHT trat er am Studio R / Maxim-Gorki-Theater, Theater Neumarkt Zürich, an den Münchner Kammerspielen und dem “Stückemarkt” des Berliner Theatertreffens auf. Für die Erfindung der „Fremdsprache“, einer mitteleuropäisch klingenden Kunstsprache, und die Idee, Standardformen des sozialen Austauschs in spielerische Simulationen in dieser Sprache einem neuen Gebrauch zuzuführen, erhielt er 2015 den Preis der Autoren der Frankfurter Autorenstiftung. Solo-Performances wurden u.a. am Theater Bremen, dem Theater Basel und in der Berlinischen Galerie, der Gesellschaft für aktuelle Kunst Bremen und der nGbK Berlin (Christopher Street Denial, 2014) gezeigt, zuletzt am Künstlerhaus Mousonturm, wo er im September 2017 seinen  Soloabend “BORN TO MAKE YOU HAPPY” herausbrachte. Als Autor produzierte er im Jahr 2016 sein erstes Hörspiel für den rbb (Radio Berlin-Brandenburg): GAYA, ein tantrisches Science-Fiction-Märchen, in dem die Menschheit komplett verschwult. Auf der Suche nach neuen, queeren Ausdrucksformen von Begehren und Intimität sieht Daniel sich als Teil der ökosexuellen Bewegung, einer Strömung in der zeitgenössischen Kunst und Sexualitätspolitik, die die Erde als Geliebte_n ansieht und darauf abzielt, neue Praktiken zu erfinden, mit der Natur und miteinander in Verbindung zu sein. Mit dem Künstlerinnen/Aktivistinnen-Paar Annie Sprinkle und Beth Stephens, die diese Bewegung stark inspiriert haben, kollaborierte er im letzten Jahr bei der documenta 14 in Kassel, wo er als Performer und Ko-Regisseur an der “Ecosexual Walking Tour” der beiden Künstlerinnen teilnahm und in ihrer Performance “Sidewalk Sex Clinic” kostenlose ökosexuelle Beratung anbot. Seinem Wunsch entsprechend, immer mehr zu einem „Walking Retreat Center“ zu werden, entstand 2017 für das Schwule Museum* Berlin die Performance RECONNECTIVE CRUISING, die auf die Suche nach einer spielerischen Umdeutung der Konzepte von Heilung und sozialer Interaktion macht, um dabei auf neue Formen geteilter Zartheit zu stoßen. Nachdem er im diesem Jahr eine Reihe von experimentellen Workshops zum Thema Ökosexualität veranstaltet hat, unterzieht Daniel das Themenfeld Liebe, Sexualität und Verbundenheit einer näheren künstlerischen Untersuchung in seinem aktuellen Soloprojekt, DAS WUNDER DER LIEBE, welches im kommenden Januar am Mousonturm Frankfurt im Rahmen des Festivals “Frankfurter Positionen” herauskommt und im Anschluss auf Welttournee geht, angefangen im Theater im Bauturm Köln.