Gastspiel

DAS GESCHENK | ANDY & BASQUIAT von Milan Sladek

Anlässlich seines 80. Geburtstags und 60. Bühnenjubiläums kehrt Milan Sladek zurück an den Ort, den er seinerzeit aus einer Druckerei zu seinem ersten eigenen Theater machte.

I. Teil

DAS GESCHENK

Mit Milan Sladek, Kelvin Burkard, Taro Sladek, u. A.

Musik, Peter Estl

Regie und Libretto: Milan Sladek

 

 

"Das Libretto für das Stück ist 1969 als Reaktion auf die tragischen Ereignisse in der damaligen Tschechoslowakei am 21. August 1968 entstanden. An diesem Tag zerschlugen die Armeen des Warschauer Pakts Alexander Dubceks Bemühungen dem Sozialismus ein „menschliches Antlitz“ zu geben. Die Reformen, die Dubcek während seiner kurzen Parteiführung eingeleitet hatte, waren für das System neu und ungewöhnlich: Sie sahen u.a. die Abschaffung der Zensur, die Ermöglichung von Reisen, sogar in westliche Länder, und die Rehabilitierung politischer Gefangener vor. Der herrschenden Parteiführung in Moskau waren Dubceks Reformen ein Dorn im Auge. Sie brauchten kein Land, das womöglich als Beispiel für andere sozialistische Länder gelten konnte. Der Überfall auf die Tschechoslowakei am 21. August 1968 sollte alles beenden. Auch für die Bürger, die während dieser Ereignisse im Ausland waren (um die 120.000, etwa 10 % der Gesamtbevölkerung), war das ein riesiger Schock. Die Grenzen waren fortan geschlossen – sie konnten nicht zurück.
Ich habe dieses Schicksal mit diesen Menschen teilen müssen: Ich hatte an einem Festival in Bulgarien teilgenommen und war zu dem Zeitpunkt noch im Ausland.
Die Geschichte von DAS GESCHENK ist einfach. Sie erzählt von KEFKA (meinem zweiten Ich), der unerwartet stolzer Besitzer eines seltsamen Vogels wird. Er kümmert sich um ihn, ohne zu wissen, was ihn erwartet, wenn der Vogel groß und mächtig wird…

Grundlage für diese Geschichte ist das Zusammenleben der damaligen Tschechoslowakei mit der Sowjetunion. Daraus ist ein Märchen für Erwachsene entstanden, eine Pantomimen-Groteske, die viele Parallelen zu unterschiedlichen Lebensbereichen erkennen lässt. Einige Zuschauer haben die Story als Beispiel für die Probleme zwischen Eltern und Kindern verstanden, einige wieder als Symbol für die Zerstörung unserer Umwelt. Die Form des Stücks ist die der Pantomime in Kombination mit den Mitteln des Schwarzen Theaters.
 
DAS GESCHENK ist ein Stück, das ich in Kooperation mit dem Goethe-Institut in etwa 50 Ländern dieser Welt gezeigt habe.
 
WARUM DAS THEATER IM BAUTURM?
Ich kam 1970 nach Köln. Dort habe ich DAS GESCHENK in den „Kammerspielen“ uraufgeführt. Als ich dann 1974 mein Theater KEFKA, das jetzige Theater im BAUTURM, eröffnete, war es dieses Stück, mit dem ich die erfolgreiche Zeit des „Milan Sladek Pantomimentheaters“ in Köln und Deutschland begonnen habe. Deswegen bin ich der Leitung des „Theaters im BAUTURM“ dankbar, dass es mir ermöglicht wurde, hier zu spielen. Die Inszenierung steht am Anfang einer Serie von Projekten, die ich zu meinem persönlichen Jubiläum nächstes Jahr plane.
Wie ist die Geschichte nun ausgegangen? Eigenartig: Das Ende meines Stücks entpuppte sich als eine Vorhersage der historischen Ereignisse, die 1989 die politische Lage in Europa drastisch verändert haben. Der seltsame Vogel lebt nicht mehr."

Milan Sladek

 

 

2. Teil

ANDY & BASQUIAT

Andy – Milan Sladek

Basquiat – Kelvin Burkard

Musik: Jozef Vlk

Video: Gracias Devaraj

Bühnenbild: Antonin Malek

Regie: Milan Sladek

Assistenz: Vladimira Plagens



"
Man nennt Andy Warhol den PRINCE OF POPART. Seine Eltern stammten aus der Slowakei, sie wanderten allerdings vor seiner Geburt in die USA aus. Von seiner Abstammung erfuhr ich erst, als ich auf einem seiner Bilder einen Text in slowakischer Sprache entdeckte: „Die besten Würstchen kannst Du an der Ecke der und der Straße kaufen. Mama“.
Da wir in der ehemaligen Tschechoslowakei wenig Information über westliche Künstler hatten, war dieser Satz wie eine Offenbarung für mich. Erst ab diesem Zeitpunkt habe ich mir seine Bilder und Filme angesehen – und bedauert, dass ich nichts von seinem Besuch in Köln in den Achtzigern gewusst habe.
 
2006 habe ich die Inszenierung ANDY ANDY in der Bundeskunsthalle in Bonn vorgestellt, später auch im einzigen europäischen Andy Warhol Museum in Medzilaborce in der Slowakei.
 
Sehr inspirierend war außerdem ein Besuch im Andy Warhol Museum in Pittsburgh. Begleitet von einem Museumsmitarbeiter konnte ich einen Blick in Warhols berühmte Kartons werfen, sein Sakko anziehen, sogar seine Perücke aufsetzen…
Viel braucht man über diesen Künstler nicht sagen. Ich möchte nur aus der Rede eines amerikanischen Schriftstellers zitieren: „Es war, als habe jemand in einer dunklen, trüben Atmosphäre die Tür zu einem lodernden Hochofen geöffnet. Die Schönheit, Lebendigkeit der Bilder schien eine Frage zu beantworten, die so schwierig ist, dass ich sie nie zu stellen gewagt habe: ‚Was ist eigentlich absolut modern?’ Die Zukunft flutete von den Wänden wie reines Ozon.“
 
Jean-Michel Basquiat

Aus dem US-amerikanischen Graffitikünstler und Madonnas Liebhaber ist ein begehrter Maler und Zeichner geworden – der erste afroamerikanische Künstler, dem der Durchbruch in der hauptsächlich weißen Kunstwelt gelungen ist. Um Basquiats Bilder zu verstehen, schreibt die afroamerikanische Essayistin Bell Hooks, „müsse man bereit sein, die tragische Dimension des schwarzen Lebens zu akzeptieren.“ Der im Jahr 1960 geborene Basquiat erlebte in der New Yorker Kunstwelt der 80er Jahre einen kometenhaften Aufstieg. Er war einer der ersten dunkelhäutigen, bildenden Künstler, die internationale Bedeutung erhielten. Heute bezahlt man für seine Bilder Millionenbeträge. Während der Freundschaft der beiden Künstler sind mehr als 130 gemeinsame Bilder entstanden.
 
Dieser Einakter versucht keine historische Begegnung dieser Künstler zu dokumentieren. Es geht mir stattdessen darum, die unterschiedlichen Welten dieser beiden Kunstgiganten in einer amüsanten, anekdotischen Weise darzustellen."

Milan Sladek

 

Termine
12.10.2017, 20:07 Uhr
13.10.2017, 20:07 Uhr
14.10.2017, 20:07 Uhr