Repertoire

Das hündische Herz Michail Bulgakow

In der Wohnung des auf Verjüngungsoperationen spezialisierten Chirurgen Professor Preobraschenski geschehen seltsame Dinge: In einem spektakulären Eingriff ist es ihm gelungen, dem Straßenhund Lumpi Hirnanhangdrüse und Hoden eines grade verstorbenen Menschen einzusetzen. Die hohen Erwartungen der Wissenschaft vermag der tierische Homunculus allerdings nicht zu erfüllen: Genosse Lumpikow erweist sich als durch und durch unbequemes Subjekt und schon bald tobt der Klassenkampf in der mondänen Wohnung des Professors.


Michail Bulgakow hat mit seinen Texten ein eigenes Genre geschaffen, das man als "mystische Groteske" bezeichnen kann: Seine Romane und Erzählungen, allen voran sein zum Kultbuch gewordener Roman Der Meister und Margarita sind bildgewaltige Exorzismen der russischen Bürokratie und gleichzeitig sinnliche Spektakel voller mythischer und intertextueller Bezüge. Seine 1925 erschienene Novelle Das hündische Herz. Eine fürchterliche Geschichte ist oft als tagesaktuelle Satire auf Stalins Idee des „neuen sowjetischen Menschen“ verstanden worden. Dabei wirft der Text noch viel weiter reichende Fragen auf: Wo liegen Gefahren und Grenzen des menschlichen Wunsches, selbst zum Schöpfer zu werden? Ist der freie Wille wirklich ein taugliches Merkmal, um Mensch und Tier voneinander zu unterscheiden? Und was passiert eigentlich, wenn der synthetische Mensch sich auf einmal den profanen Anforderungen des Alltags stellen muss? Bulgakows Novelle, deren verschachtelte und unorthodoxe Erzähltechnik bereits den besonderen Klang von Der Meister und Margarita vorwegnimmt, gelingt mühelos der Spagat zwischen den frühen Jahren nach der Russischen Revolution und der Gegenwart, indem sie zeigt, auf welch tönernen Füßen der umstürzende Geist der Menschen steht.

Kathrin Mayr studierte zuerst Kunst und Literaturwissenschaft, später dann Regie an der Theaterakademie Hamburg. Dazwischen arbeitete sie als Regieassistentin bei Christoph Schlingensief und am Theater Osnabrück. Ihre Inszenierungen sind an den Landestheatern Schleswig Holstein und Detmold, am Berliner Theaterdiscounter und auf Kampnagel zu sehen. Am Bauturm setzt sie nun ihre Beschäftigung mit der russischen Literatur fort, nachdem sie zuletzt in Schleswig Dostojewskis Schuld und Sühne inszenierte.

Aufführungsrechte: DREI MASKEN VERLAG GmbH München

Pressestimmen:

"Kathrin Mayr liefert eine strenge und stringente Inszenierung ab, die nicht zuletzt von der exzellenten und konzentrierten Leistung des Schauspieler-Trios lebt. Da ist keine Geste, kein Mienenspiel zu viel." (report-k.de)

"Trotz aller süffisanter Komik, die dem grotesken Scheitern wissenschaftlicher Hybris untergelegt ist, schimmert an diesem kurzweiligen und hochintensiven Theaterabend auch stets der Schrecken durch, der diesem bedrohlichen Experiment der grenzüberschreitenden Optimierung menschlicher Verhaltensweisen innewohnt." (Kölner Stadt-Anzeiger)

"Insgesamt ist ein Stück besten Theaters gelungen. [---] Mayrs Inszenierung und in ihr das faszinierend mehrschichtige Spiel des Trios bietet zugleich mehr. Nämlich einen Blick ins Heute, in dem permanent die Gefahr der Manipulation besteht - und der 'neue Mensch' zu einem von außen gesteuerten Wesen zu werden droht." (theaterpur.net)

"Die Atem- und Rastlosigkeit, die bereits im Text steckt, wird von den drei Schauspielern präzise und mit viel Lust bespielt." (Kölnische Rundschau)

Premiere: 12.05.2018

Dauer: 1.20h

Inszenierung
Ausstattung
Katharina Philipp
Musik
Clemens Mädge
Regieassistenz
Deborah Krönung
Termine
20.11.2018, 20:00 Uhr
21.11.2018, 20:00 Uhr
10.12.2018, 20:00 Uhr
11.12.2018, 20:00 Uhr