Das hündische Herz von Michail Bulgakow

Moskau im Winter 1924/25: Im Zuge einer waghalsigen Operation werden dem Hund Lumpi Hirn und Hoden eines gerade verstorbenen Menschens implantiert. Das Experiment allerdings hat Folgen, die der auf Verjüngungsoperationen spezialisierte Arzt Professor Preobrashenski nicht absehen konnte: Mit der Menschwerdung von Genosse Lumpikow hält auf einmal der Klassenkampf Einzug in die mondäne Wohnung des Professors. Bulgakows Text ist oft als Satire auf die Wunschvorstellung vom „neuen sowjetischen Mensch“ verstanden worden. Der Text wirft allerdings noch viele weitere Fragen auf: Wo liegen Gefahren und Grenzen des menschlichen Wunsches, selber zum Schöpfer zu werden? Was unterscheidet Tier und Mensch? Welche Querstände resultieren aus der Kollision von revolutionärer Idee und alltäglichem Bedürfnis? Bulgakows Novelle, deren verschachtelte und unorthodoxe Erzähltechnik bereits den besonderen Klang seines berühmten Romans Der Meister und Margarita vorwegnimmt, gelingt mühelos der Spagat zwischen den frühen Jahren nach der Russischen Revolution und der Gegenwart, indem sie zeigt, wie leicht der umstürzende Geist in den Untiefen der Bürokratie versickern kann.

Premiere 12. Mai 2018

Inszenierung
Termine
12.05.2018, 20:00 Uhr