Repertoire

Der Prozess von Franz Kafka

Eingeladen zu den Hamburger Privattheatertagen 2016 und nominiert für den Monica Bleibtreu Preis - sowie eingeladen zu den Heidelberger Theatertagen 2016 und nominiert für den 19. HEIDELBERGER THEATERPREIS

Sind Sie schon mal aufgewacht und wurden ohne Grund verhaftet?
„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“  (Der Prozess)

Dieses Schicksal ereilt den Bankprokuristen Josef K. an seinem 30. Geburtstag. Er ist sich keiner Schuld bewusst und darf sich trotz seiner Festnahme frei bewegen und seiner Arbeit nachgehen. Vergeblich versucht er herauszufinden, weshalb er angeklagt wurde und erfindet Gründe um sich zu rechtfertigen. Das Gericht, in dem er sich wiederfindet und welches sich auf den Dachböden großer ärmlicher Mietskasernen befindet, ist für ihn nicht greifbar. Je mehr er es zu verstehen versucht, desto mehr verwickelt er sich in ein Gestrüpp undurchschaubarer Gesetze und menschlicher Verwirrungen. Immer tiefer dringt er in die Welt des Gerichts ein und beschäftigt sich fast ausschließlich nur noch mit seinem Fall. So schleicht sich das Gericht immer weiter in Josef K.‘s Leben ein und beginnt ihn zu zerfressen. Doch schreitet der Prozess wirklich voran und welchem Urteil muss sich Josef K. letzten Endes tatsächlich unterwerfen?

Kafkas Romanfragment veranschaulicht das ausweglose Sein des Einzelnen im Labyrinth einer anonymen Welt, die sich jedem Sinn entzieht. Wie im Traum vermischt sich Inneres und Äußeres: fantastisch-realistische bis zu allegorisch-psychologische Ebenen entstehen. K.‘s Arbeitswelt mutiert zu einer alptraumhaften Welt, ohne Entrinnen. Kafkas Roman bietet eine Bandbreite unterschiedlicher Auslegungen von „Macht und Schuld“, die sich problemlos auf unsere heutige Zeit übertragen lassen.

Im Zentrum der Macht steht heute in Mitteleuropa nicht mehr die Unterdrückung und körperliche Bedrohung, sie definiert sich nun mehr als Verführer. Sie hat also ein smartes Gesicht bekommen und baut auf den freien Willen. Die Überwachung weicht einer Selbstüberwachung, die Kontrolle geht über in Selbstkontrolle, die Ausbeutung funktioniert als Selbstausbeutung, wir leben im Zwang der Leistungsoptimierung.

Bühne/Kostüme
Inszenierung
Komposition & Live-Musik
Regieassistenz
Carsten Karbach
Dramaturgie
Termine
17.12.2016, 20:00 Uhr
18.12.2016, 18:00 Uhr
18.12.2016, 20:45 Uhr