Repertoire

Kongo! Eine Postkolonie Nina Gühlstorff, Jan-Christoph Gockel und Laurenz Leky

"Mein Geschlecht: Sexismus. Meine Nationalität: Schuld.
Meine Rasse: Kolonialismus."

Die Demokratische Republik Kongo ist Schauplatz entsetzlicher Kolonialverbrechen und bis zum heutigen Tag dauernder Ausbeutung im Zeichen des weltweiten Ressourcenhandels. Darüber hinaus muss sie jedoch auch noch immer wieder als Projektionsfläche für die Befindlichkeiten Europas herhalten.  Laurenz Leky untersucht die deutsch-kongolesischen Verbindungslinien in zwei Solo-Performances: Im Zentrum von Kongo Müller (Regie: Jan-Christoph Gockel) steht der ehemalige Wehrmachtssoldat Siegfried Müller, der in den 1960er Jahren als Söldner im Kongo tätig ist und von dort aus für seine Brutalität zweifelhafte Berühmtheit erlangt. KoNGOland (Regie: Nina Gühlstorff) hingegen stellt unser aktuelles Bemühen um die Herstellung von Ordnung in Afrika in ein kritisches Licht: Braucht der Kongo wirklich die Hilfe von NGO-Mitarbeitern, Entwicklungshelfern und europäischen Idealisten oder verwendet ihn Europa nur als Sehnsuchtsort für nicht mehr wirksame Aufklärungsphantasien? Beide Abende bleiben jedoch nicht in der theoretischen Erörterung stecken, sondern binden auch Lekys eigenes Scheitern als Konflikthelfer angesichts der komplexen Lage vor Ort mit ein, indem sie seine zwiespältigen Erfahrungen als von Kulturförderungsanträgen finanzierter Konflikthelfer mit Theaterschwerpunkt im Krisengebiet Ostkongo zum Thema machen. Ein unter höchstem Legitimationsdruck stattfindendes Diskursspektakel zwischen europäischem Egotrip und friedensstiftender Theatermission – ergänzt um eine Eingabe von unerwarteter Stelle…

 

Pressestimmen:

"Mit Brunnenpumpe, Kleiderballen, Mosquitonetz, Hilfsgüterkartons und einem kurzem Einspieler von "Band Aid" mit Bono von U2, schlüpft Leky in Menschen, die in Afrika waren und dort gearbeitet haben."
(Kölnische Rundschau)

"Während der Performance auf der Bühne als begnadeter Selbstdarsteller und charmante Rampensau [switcht] Leky zwischen verschiedenen Rollen und autobiographischen Reflexionen und [animiert] dabei immer wieder das Publikum. Im dynamischen Dreiklang von Dilemma, Diskurs und Dekonstruktion entwickelt sich ein Malstrom, der an diesem Abend die ein oder andere eurozentrische Wahrheit verschlingt."
(Kölner Stadtanzeiger)

"Kongo!- ein markerschütterndes Stoßgebet Richtung schwarzer Himmel und gleißend weißer Hölle"
(Kölner Wochenspiegel)

"Ein Theater-Abenteuer im Dickicht von Neokolonialismus, exotischer Faszination und Deutscher Schuld"
(KulturKram)

 

Eine Koproduktion von Theater im Bauturm, Theater Rampe Stuttgart und Nyx e.V.

Premiere: 10. November 2018

Ausstattung
Lena Hinz
Video
Florian Rzepkowski
Regieassistenz
Lynn Wellens
Termine
23.04.2020, 20:00 Uhr
24.04.2020, 20:00 Uhr