Repertoire

LA TRAVIATA - oder: Doro, ich krieg keine Luft mehr! (Letzte Worte Carusos an seine Ehefrau) von Giuseppe Verdi

Das 21. Jahrhundert wird oft als Zeitalter fortgreifender Rationalisierung beschrieben. Ausgerechnet die irrationalste aller Kunstformen hat jedoch nach wie vor hohe Konjunktur: die Oper. Das ist sicherlich kein Zufall, denn in einer zunehmend auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Welt ist die Oper das genaue Gegenteil: sie ist teuer, dauert lang und verhandelt in der Regel längst historisch gewordene und bei Licht betrachtet nicht selten absurde Konflikte. Doch die Oper ist noch viel mehr, nämlich das mithin letzte Ressort, in dem das große, unverstellte Gefühl noch unangefochten seinen Platz hat und, gestützt von der Wucht der Stimmen und des Orchesters, enorme Kraft entfalten kann.

Giuseppe Verdis La Traviata (UA 1853) ist die berühmteste und meistgespielte Oper der Welt. Die Geschichte vom langen Sterben der Pariser Edelkurtisane Violetta Valéry und ihrem unsicheren Pakt mit der Bürgerlichkeit rührt das Publikum bis heute. Mit ihrer Version der Oper, deren Stoff Verdi aus Alexandre Dumas' Roman La dame aux camélias übernommen hat, erschließen Sebastian Kreyer und Matthias Buss das große Musiktheater nun auch für die kleine Bühne. Ohne Scheu vor der Partitur und Angst vor schiefen Tönen legen sie das berühmteste Schlachtross der Opernliteratur unters Mikroskop  und finden auf diese Weise heraus, dass große Emotionen nicht immer große Räume oder große Stimmen benötigen, um wirkungsvoll über die Rampe zu kommen. Ein überdimensionierter Abend über Divenverehrung, kollektive Sehnsüchte und die ja letztlich doch nie zu leugnende Macht der Musik.

Alles verschwimmt an diesem Abend zu einem dichten Gesang über Magie und Materielles, über große Gefühle und schnödes Geld, und natürlich, es ist ja große Opern-Zeit, um Leben, Liebe und Tod. Sebastian Kreyer und Matthias Buss gestalten dabei das bauschige Bühnendrama auf der kleinen Bühne des Off-Theaters filigran. [...] Ein Abend der Abstraktion, der Analyse und des überbordenden Assoziierens bekommt das Publikum geboten, mal klamaukig, mal schaurig-schön und schief und anrührend traurig. (Kölner Stadt-Anzeiger)

Es sind die stillen und nachdenklichen Momente, in denen Matthias Buss absolut überzeugt - mag die Aufmachung in dem Moment auch noch so albern wirken. (choices)

Dem Duo gelingt damit ein unterhaltsamer Abend über die Wirkung mitreißender Musik, großer Stimmen, tiefer Gefühle [...] - so schön und mitreißend wie Buss hinsinkt und im Sarg landet, dürfte er manche Operndiva neidisch machen. (report-k.de)

Regieassistenz
Hannah Greve
Kostüm
Maria Roers
Bühne
Thomas Dreissigacker
Musikbearbeitung und Video
Valerij Lisac
Musikkonzept
Valerij Lisac
Termine
26.10.2019, 20:00 Uhr
27.10.2019, 18:00 Uhr