Premiere

Lavendelschwert. Dokumente einer seltsamen Revolution Felix Rexhausen

Wer den Kölner Hauptbahnhof an seinem Hinterausgang verlässt und seine Schritte in Richtung Eigelstein lenkt, bemerkt bald ein Straßenschild, das eine bessere Verkehrsinsel als Felix-Rexhausen-Platz ausweist. Dass dieser Mann ein wichtiges Kapitel der Kölner Stadtgeschichte mitgeschrieben hat, ist heute kaum noch bekannt: Neben seinen Tätigkeiten als Satiriker, WDR-Redakteur und Gründungsmitglied von amnesty international Deutschland war Felix Rexhausen einer der ersten prononcierten Aktivisten für die Rechte Homosexueller in der Bundesrepublik. In dieser Funktion veröffentlichte er 1966 den Roman Lavendelschwert. Dokumente einer homosexuellen Revolution, der allerdings erst nach Änderung des Untertitels in Dokumente einer seltsamen Revolution erscheinen konnte. Dort schildert Rexhausen, wie es in einer leicht zu entschlüsselnden „Großstadt in der Nähe von Bonn“ zu revolutionären Unruhen und schlussendlich zu einem politischen Putsch kommt, der ausschließlich von homosexuellen Männern getragen wird. Doch die „April-Revolution“ hat nur neue Restriktionen zur Folge – und so gelingt es Rexhausen, anhand der bizarren Dystopie einer Welt, in der die Verehrung Marlene Dietrichs staatlich verordnet wird, Unsicherheiten zu formulieren, die weit über den bundesrepublikanischen Problemhorizont hinaus wirken: Hat Deutschland das Zeug zur Revolution? Was kommt nach dem Umsturz? Welche Grenzen sind der Revolte der Geächteten gesetzt?
Rexhausens Buch, ein fiktiver Tatsachenbericht aus 130 fingierten Dokumenten wie Zeitungsausschnitten, Briefen und Abhörprotokollen, führt zurück in eine Zeit, in der Köln zum Sammelpunkt für LGBT-Personen wird, obwohl die gleichgeschlechtliche Liebe unter Strafe steht. Im Blick auf Kölns Geschichte als „schwul-lesbische Bundeshauptstadt“ soll die Inszenierung von Lavendelschwert indes auch die aktuellen Koordinaten des Textes nicht aus den Augen verlieren: Hat sich die queere Revolution mit der rechtlichen Gleichstellung homosexueller Ehepaare erledigt oder kann sie erst jetzt richtig beginnen?

Sebastian Kreyer studierte Theaterwissenschaft, Philosophie und Soziologie an der Freien Universität Berlin und arbeitete von 2008 bis 2013 als Regieassistent bei Karin Beier am Schauspiel Köln. Dort inszenierte er 2012
Tennessee Williams‘ Glasmenagerie und wurde damit im Folgejahr zum Festival Radikal jung nach München eingeladen wurde. Es folgten Arbeiten am Deutschen Schauspielhaus Hamburg (Die Physiker und Versuch über die Pubertät) sowie an den städtischen Theatern in Bremen, Kassel, Dresden und Bonn, wo im April 2018 seine Inszenierung von Ödön von Horváths Zur schönen Aussicht Premiere hatte. Nach seinem erfolgreichen Abend Trude Herr, oder: Es ist besser, in der Sahara zu verdursten, als in Köln-Lindenthal zu sitzen und auf die Rente zu warten wird er sich nun zum zweiten Mal am Bauturm einem ungewöhnlichen regionalgeschichtlichen Thema annehmen.

Premiere: 26. April 2019

Termine
26.04.2019, 20:00 Uhr
noch nicht im Verkauf