Premiere

Rosa Luxemburg Eine Stückentwicklung von Tom Müller und Ensemble

Kaum eine Person aus der Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts ist heute noch so präsent wie Rosa Luxemburg – was nicht verwunderlich ist, denn kaum eine Person ist auch nur annähernd so facettenreich und vielschichtig wie sie. Dem politischen Gedächtnis bleibt sie vorrangig als Theoretikerin der proletarischen Revolution und scharfe Kritikerin des deutschen Imperialismus sowie der verhängnisvollen Burgfriedenspolitik der SPD zur Zeit des Ersten Weltkriegs in Erinnerung. Aus ihren Artikeln, Briefen und Aufzeichnungen spricht jedoch auch eine Frau, für die das politische Engagement nur durch eine umfassende Liebe zu Mensch und Natur getragen werden kann. Grade ihr passioniertes Interesse an Tieren, Dichtung oder Botanik, ihre wilden Lieben und ihre vielfach formulierten Bekenntnisse zur Sinnlichkeit sowie nicht zuletzt ihre Bereitschaft zu unorthodoxen Vereinbarungen des Zusammenlebens machen Rosa Luxemburg zu einer Figur, die in den 100 Jahren nach ihrem gewaltsamen Tod sämtlichen späteren Generationen zur Justierung ihrer Vorstellung von politischem Engagement gedient hat. Und so ist es auch heute wieder an der Zeit, gemeinsam mit der Frau, die stets dazu aufrief, das Leben „trotz alledem tapfer, unverzagt und lächelnd“ zu nehmen und deren Inneres nach eigenem Bekunden „mehr den Kohlmeisen als den Genossen“ gehörte, die ewige Frage zu stellen: Wo wird unser Handeln politisch und welche Form des Engagements kann tatsächlich etwas bewirken?

Tom Müller studierte Musikwissenschaft und Amerikanistik in Berlin und Riverside (Kalifornien), sowie von 2015 bis 2017 Regie an der Universität Mozarteum Salzburg. Mit dem Kollektiv MIRANDA5 realisierte er u.a. die Arbeiten Hotel Savoy nach Joseph Roth, Sirens nach Homer und Urbi et Orbi, eine dokumentarische Arbeit zum Klimawandel. Am Theater im Bauturm war in der Spielzeit 2018/19 seine Diplominszenierung von Alfred Döblins Romantrilogie Amazonas zu sehen. Kurz darauf inszenierte er am Theater der Keller Rainer Werner Fassbinders Tropfen auf heiße Steine. Seine Musik ist aktuell in Amelie Niermeyers Inszenierung von Branden Jacobs-Jenkins‘ Gloria am Residenztheater München zu hören, außerdem ist er als Live-Musiker Teil von Robert Borgmanns Inszenierung von Hans Henny Jahnns Medea am Schauspiel Köln. Wie schon bei Amazonas wird er auch bei Rosa Luxemburg wieder mit der Ausstatterin Maria Moser zusammenarbeiten.

Regie
Termine
07.02.2020, 20:00 Uhr
noch nicht im Verkauf