Repertoire

SOMMERLOCH. EINE REISEWARNUNG Literarische Anmaßungen von und mit LekyMichaelsenSchlenkrich

Blaise Pascal wusste es schon vor 350 Jahren: Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht allein in einem Zimmer zu bleiben vermögen. Seinen Rat hat sich die Menschheit indes hierzulande nicht zu Herzen genommen: Sie liebt es zu reisen und – schlimmer noch – im Anschluss ausführlich davon zu berichten.

Reisen gilt als Königsweg zur Erweiterung des Horizonts – aber warum bleibt diese Überzeugung eigentlich weitgehend unwidersprochen? Schließlich ist keineswegs garantiert, dass man nicht auch am anderen Ende der Welt nur das wiederfindet, was einem einschlägige Prospekte bereits im Vorhinein versprochen haben: den kleinsten gemeinsamen Nenner zumutbarer Exotik.

In vollster Überzeugung und mit Texten von Gottfried Benn, Kurt Tucholsky oder Robert Walser macht es sich das Leitungstrio des Theater im Bauturm auf dem Sofa bequem und zelebriert die Ehrenrettung einer im Zeitalter von Mobilität und Flexibilität anrüchig gewordenen Tätigkeit: des produktiven Zuhausebleibens.

In Zusammenarbeit mit Cordula Stratmann konzipierten Laurenz Leky, Bernd Schlenkrich und René Michaelsen diesen literarischen Abend für die LitCologne, wo er am 8.3.2018 in der doppelt ausverkauften Flora vom Publikum gefeiert wurde. Bevor sie in den Sommerurlaub aufbrechen, präsentieren sie nun im Bauturm zum zweiten Mal ihre eigene Version dieser ungewöhnlichen Blütenlese aus dem überraschend großen Werk der reisefaulen Dichter und bequemlichen Denker.

Diesem „Sommerloch“ kann sich kaum einer entziehen. Denn was das Führungs-Trio des kleinen privaten Kölner „Bauturm-Theaters“ als „Eine Reisewarnung“ auf die sommerlich überhitzte Bühne bringt, rast und wechselt derart mitreißend von poetisch zu frech, von satirisch zu grandios, dass einem Hören und Sehen – nein, nicht vergehen, sondern man sich, im Gegenteil, voller Sinnes- und Hör-Lust in den Abend stürzt. [...] Nichts bleibt an diesem Abend, was nicht in Frage gestellt würde. Aber so raffiniert und unideologisch in Worte, Szenen und Situationen umgesetzt, dass sich Spaß und Nachdenklichkeit nie ins Gehege kommen. Es ist Theater vom Besten. Mit Lust am Spiel, mit Freude am Zerdeppern von Allgemeinplätzen und, vor allem, mit einem Blick in unseren ganz persönlichen Reise-Spiegel. (www.theaterfischer.de)

Premiere: 14.07.2018 | 1.20h ohne Pause

Inszenierung
Regieassistenz
Gesche Gaudszuhn